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Viel Aufregung um einen Begriff: Von Genderwahn, Gender-Ideologie, Genderismus ist die Rede. Und in Verbindung damit gibt es oft jede Menge Befürchtungen. Wir erklären hier, was der Begriff „Gender“ bedeutet und wie er verwendet wird.
Wir erklären, was das mit Geschlechterrollen, Ausdruck, Körper und Geschlechtsidentität zu tun hat und wie gesellschaftliche Normen darauf Einfluss nehmen. Wir gehen darauf ein, dass die meisten Menschen auch „geschlechtsuntypische“ Dinge mögen und Geschlechtsidentität mehr ist als entweder/oder. Außerdem erfahrt ihr hier, was Gender Mainstreaming ist, was unter „Gendern“ verstanden wird und was Gender Studies sind.

Was bedeutet „Gender“? – Unterschied zwischen sexund gender

„Gender“ ist ein englisches Wort für Geschlecht. Genauer: für das soziale, das gelebte und gefühlte Geschlecht, im Unterschied zu „sex“, dem bei Geburt aufgrund körperlicher Merkmale zugewiesenen Geschlecht. Im Englischen gibt es also zwei Worte – „gender“ und „sex“ – wo es im Deutschen nur eines gibt, nämlich „Geschlecht“.

Der Begriff „Gender“ wird aber inzwischen auch im Deutschen genutzt: Immer dann, wenn es um das soziale Geschlecht und um Geschlechtsidentität (mehr dazu hier) geht. Das ist zum Beispiel wichtig für Wissenschaftler_innen, die untersuchen, was Geschlecht ist, wie es entsteht und wie es sich auf unser Zusammenleben und jede einzelne Person auswirkt. Deshalb ist von Gender auch viel in einem wissenschaftlichen Zusammenhang die Rede.

Wenn es um Gender geht, fallen häufig noch andere Begriffe, die miteinander vermischt werden, obwohl sie Unterschiedliches meinen. Zum Beispiel:

  • Gender Mainstreaming: der Versuch, die unterschiedlichen Lebenssituationen von Frauen und Männern in Politik und Verwaltung mitzudenken, damit niemand unfair behandelt wird
  • Gender Studies: die Wissenschaft, die die Bedeutung von Geschlecht für Politik, Kultur, etc. untersucht
  • Sexualpädagogik: die pädagogische Arbeit zu Sexualität mit jungen Menschen

Diese Begriffe und ihre Bedeutung werden teilweise aber auch gezielt durcheinander gebracht, um falsche Informationen zu verbreiten und Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit abzuwerten (mehr dazu hier).

Gender und Geschlechterrollen

Wir finden: Es ist ziemlich spannend, sich mit Gender und Geschlechterrollen zu beschäftigen. Denn welche Ideen und Normen mit dem sozialen Geschlecht verknüpft werden, ist veränderbar und abhängig von Kultur (Wie viele Geschlechter werden anerkannt? Welche Eigenschaften werden ihnen zugeschrieben?) und Zeit (Geschlechterrollen heute im Vergleich zu Geschlechterrollen vor 100, 200 oder 500 Jahren).

Über Jahrzehnte hinweg hat sich auch bei uns viel verändert: Frauen haben sich zahlreiche Möglichkeiten und Rechte erkämpft. Aber auch für Männer hat sich einiges verändert.

„Männer sind _______, Frauen sind _______.“ Wenn wir diese Sätze vervollständigen, kommen häufig viele Klischees und Stereotypen raus. Das liegt daran, dass uns ständig erzählt wird, wie Männer und Frauen angeblich sind. Viele denken, um als Mann oder Frau zu gelten, müssten sie solchen Klischees und Erwartungen entsprechen. Aber guckt euch reale Menschen mal genauer an: Geht dein Vater gerne ins Theater? Macht deine Schwester Karate, oder spielt dein Freund Trompete? Und sagt das was über ihr Geschlecht aus? Menschen sind eben immer viel mehr als diese Klischees – und viele sind auch ganz anders.

Im Vergleich zu vor 50 Jahren haben sich die Erwartungen (oder Anforderungen) außerdem geändert: z.B. sollen Frauen Karriere und Kinder unter einen Hut bekommen, sich aber weiter um ihr Aussehen kümmern. Männer sollen auch einfühlsam sein, sich am Haushalt beteiligen und Elternzeit nehmen.

Sich verändernde und weniger starre Geschlechterrollen können befreiend wirken – aber auch überfordern. Mehr Möglichkeiten zu haben und nicht in starren Rollen zu stecken, befreit uns alle. Alles sein und machen zu können, unabhängig vom Geschlecht, ist super! Es sollte aber nicht heißen, auch alles sein und machen zu müssen.

Mehr zu Geschlechterrollen

Gibt es mehr als Männer und Frauen?

Wir alle lernen, es gebe nur zwei Geschlechter (Frauen und Männer), das Geschlecht könne man am Körper sehen, es sei angeboren und verändere sich nicht. Eine Person nicht sofort als Mann oder Frau einordnen zu können, verunsichert deshalb viele erstmal. Geschlecht ist aber eigentlich eine ziemlich komplizierte Sache. Im Video geht es um die drei Ebenen Körper, Identität und Ausdruck, die wichtig sind, wenn wir über Geschlecht sprechen:

Menschen müssen also nicht entweder männlich oder weiblich sein. Sie können auch männlich und weiblich zugleich sein, oder mal mehr das eine, mal mehr das andere. Statt männlich und weiblich als entweder/oder zu denken, kann man sich Geschlecht als Spektrum vorstellen – oder, noch schöner, als Sonnensystem!

Die bei uns immer noch herrschende Vorstellung, es gebe nur zwei Geschlechter, hat eine Geschichte und ist veränderbar – genau wie Geschlechterrollen. Und seit Januar 2019 gibt es in Deutschland immerhin drei offiziell anerkannte Geschlechter (mehr zu Intergeschlechtlichkeit findet ihr hier).

Mehr zu Geschlechtsidentität

Alle irgendwie #mitgemeint?

Es gab also immer schon mehr als zwei Geschlechter. Das ist auch die Idee hinter den viel diskutierten Schreibweisen mit Unterstrich (wie in Schüler_innen) und Sternchen (wie in Schüler*innen): Viele Frauen und nicht-binäre Personen fühlen sich durch die männliche Schreibweise eben nicht mitgemeint. Also warum nicht eine Sprache entwickeln, in der sich alle wiederfinden können?

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