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5 wichtige Punkte zu „Gendern“ und geschlechtergerechter Sprache:

Der Begriff „Gendern“ wird oft umgangssprachlich verwendet, wenn eigentlich von geschlechtergerechter Sprache die Rede ist. Also wenn wir uns um Sprache bemühen, in der von mehr als nur Männern explizit gesprochen wird.

  1. Was hat Sprache mit der Wirklichkeit zu tun?

Vater und Sohn fahren im Auto. Sie haben einen Unfall, bei dem der Vater sofort stirbt. Der Junge wird mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht, in dem ein bekannter Chirurg arbeitet. Die Operation wird vorbereitet, alles ist fertig, als der Chirurg erscheint, blass wird und sagt: „Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!“

Verwirrt? Die Lösung ist ganz einfach: Der Chirurg in der Geschichte ist eine Chirurgin. Wenn zum ersten Mal das Wort „Chirurg“ fällt, denken die meisten aber erst einmal an einen Mann im weißen Kittel. Dieses und andere Beispiele zeigen: Sprache hat einen Einfluss darauf, was wir uns vorstellen und damit auch darauf, was wir uns vorstellen können und was wir für normal halten. Ursprünglich waren Frauen in der männlichen Form auch gar nicht mitgemeint. Die kommt nämlich aus einer Zeit, in der Frauen viele Berufe nicht ergreifen durften, in der es also tatsächlich keine Chirurginnen gab. Das hat sich geändert – nur unsere Sprache sendet noch immer die alten Signale. Es sind eben nicht alle #mitgemeint!

  1. Machtverhältnisse zeigen sich in Sprache!

Warum wird „schwul“ als Beleidigung verwendet? Warum gab es in Deutschland eine lange Debatte, ob rassistische Begriffe in Kinderbüchern ok sind? Warum beschwert sich niemand über die Einführung von „Entbindungspfleger“, statt auch Männer Hebammen zu nennen? Und warum gibt es das Wort „Putzkraft“, obwohl doch in „Putzfrau“ auch Männer mitgemeint sein könnten?

Unsere Welt ist nicht frei von Machtstrukturen und Ungleichheit. Das wirkt sich auf Zugänge zu Ressourcen wie Geld oder Bildung aus – aber eben auch auf Sprache. Und gleichzeitig werden diese Strukturen auch durch Sprache immer wieder verstärkt!

  1. Was sollen Unterstrich_ und Sternchen*?

Wenn wir Chirurg_innen oder Politiker_innen schreiben, geht es uns nicht nur um Frauen und Männer, sondern auch um alle anderen Geschlechter. Nicht-binäre Menschen, die irgendwo zwischen männlich und weiblich oder ganz anders sind, werden oft genug unsichtbar gemacht. Da machen wir nicht mit! Alle Menschen müssen gesehen und respektiert werden. Die vielen verschiedenen Lebensrealitäten und Erfahrungen, die es in unserer Gesellschaft gibt, sollen auch in den Geschichten vorkommen, die wir einander erzählen.

  1. Sprache verändert sich!

Für viele sind die Unterstriche und Sternchen erstmal eine Umstellung – das ist ok und darf auch mal schwer fallen. Klar ist aber auch: Sprache verändert sich, seit es Sprache gibt. Wir benutzen haufenweise Wörter, die es vor ein paar Jahren noch gar nicht gab, zum Beispiel googeln und twittern. In der aktuellen Ausgabe des Duden (erschienen 2017) sind ganze 5.000 neue Wörter. Zum Beispiel: Darknet, Dubstep, Willkommenskultur, Filterblase, queer und … Gender! Wir passen unsere Sprache nunmal an die Welt an, in der wir leben – schließlich nutzen wir sie, um über diese Welt zu reden.

  1. Fehler machen ist ok!

Bei alldem nicht vergessen: Es geht nicht darum, immer alles zu wissen, alles richtig zu machen und andere ständig zu verbessern. Fehler sind erlaubt! Und Gendern ist natürlich nicht alles. Es gibt viele Möglichkeiten, sich gegen Ungerechtigkeit einzusetzen! Sowieso kann euch niemand vorschreiben, wie ihr zu sprechen habt. Aber Sternchen und Unterstriche sind eine gute Option wenn es darum gehen soll, respektvoll über Menschen zu sprechen, statt sie nur irgendwie mitzumeinen. Und wenn ihr euch mal unsicher seid, wie jemand angesprochen werden möchte: Nachfragen ist immer ok!

 

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