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4 wichtige Punkte zur Diskussion über „Frühsexualisierung“:

  1. Was ist mit „Frühsexualisierung“ gemeint?

„Frühsexualisierung“ meint: Kinder und Jugendliche werden durch die Beschäftigung mit Sexualität, sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Schulunterricht überfordert. Sie werden in ihrer Geschlechtsidentität verunsichert und sogar homosexuell gemacht. Und schuld daran sind Sexualpädagogik und Vielfaltspädagogik. Was ist dran an den Vorwürfen?

Erstmal wichtig: Sexualpädagogik und Vielfaltspädagogik sind nicht das gleiche.

  1.   Sexualpädagogik

Sexualpädagogik oder Aufklärungsunterricht beschäftigt sich mit Sexualität, Sexualpraktiken, Verhütung, Schwangerschaft, Pubertät, mit eigenen Grenzen und den Grenzen anderer.

  • Sexualpädagogik orientiert sich an den Bedürfnissen und Grenzen der Schüler_innen. Wichtig sind die Fragen und Interessen der Kinder und Jugendlichen.
  • Organisationen, die seit Jahrzehnten zum Thema sexuelle Übergriffe arbeiten, wissen: Sexualpädagogik ist wichtig, um Übergriffe zu verhindern! Kinder und Jugendliche lernen dadurch ihre eigenen und die Grenzen anderer zu achten. Sie lernen Worte, um über Sexualität, Körper und sexuelle Übergriffe zu sprechen. Nur so können sie sagen, wenn ihnen Gewalt angetan wurde.
  • Kinder und Jugendliche werden sehr früh mit Sex konfrontiert: in Pornos, Filmen, Werbung usw. Die sind meistens voller Stereotypen und ziemlich realitätsfern. Um damit einen Umgang zu finden, braucht es einen Ort, um Fragen stellen zu können und auf achtsame Weise etwas über Sexualität zu lernen. Auch darüber, dass man sich nicht für Sex interessieren muss!
  1. Pädagogik der Vielfalt

Vielfaltspädagogik beschäftigt sich mit sexueller Orientierung (Homo-, Hetero-, Bi-, Asexualität usw.) und mit geschlechtlicher Vielfalt (Trans* und Cis, Inter*).

  • Es geht also um Liebe und Begehren, um Familie und Beziehungen, um Coming-out und Diskriminierungserfahrungen. Nicht um Sexualpraktiken.
  • Vielfaltspädagogik versucht, verschiedene sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten mitzudenken und zu besprechen. Das ist wichtig für die queeren Kinder, Jugendlichen und Lehrer_innen, die es an allen Schulen gibt (auch wenn niemand von ihnen weiß). Wenn die Lebensweisen, Fragen und Probleme lesbischer, schwuler, bisexueller, trans* und inter* Jugendlicher im Unterricht nicht vorkommen, ist das eine Einschränkung ihres Menschenrechts auf Bildung (mehr zum Thema: Kinderrechte). Es führt außerdem oft zu Mobbing und Diskriminierung.
  • Vielfältige Pädagogik ist auch wichtig für alle anderen: Wissen über geschlechtliche und sexuelle Vielfalt kann alle Menschen von dem Druck entlasten, ein „richtiger Mann“ oder eine „richtige Frau“ sein zu müssen. Auch heterosexuelle und cisgeschlechtliche Kinder und Jugendliche können besser lernen, wenn sie mit ihren individuellen Interessen und Verhaltensweisen akzeptiert werden und weniger Angst haben, als „unnormal“ zu gelten.

Der Vorwurf, Kinder und Jugendliche würden durch Sexualpädagogik und Pädagogik der Vielfalt „frühsexualisiert“, ist deshalb völlig fehl am Platz!

  1. Sensible Themen im Unterricht

Es wird schon lange und immer wieder darüber gestritten, ob und wie Themen wie Sexualität, Diskriminierung und sexualisierte Gewalt im Unterricht besprochen werden sollten. Es ist eben nicht leicht, zwischen den Rechten der Eltern, dem Auftrag des Staates und den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen eine Balance zu finden. Aber die Auseinandersetzung ist wichtig. Sie hilft uns hoffentlich dabei, uns offen und ehrlich über diese wichtigen Themen auszutauschen und eine Gesellschaft zu schaffen, in der alle respektiert werden.

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